Gebäude mit unterschiedlich geneigten Senkrechtmarkisen

Bilder: Cédric Widmer, Lausanne / © Serge Ferrari, Köln

Die ungewöhnliche Überschrift bedarf gewiss einer Erklärung. Bestimmt kennen Sie das: Sie blicken aus dem Fenster, möchten genauer hinsehen, was da hinten für ein Rauch aufsteigt, aber Ihr Blick wird gerade in dieser Richtung massiv durch Lichtspiegelungen in der Scheibe gestört. Schuld daran sind meistens Totalreflexionen an der Mediengrenze Glas/Luft, die bei flachen Einfallswinkeln der Lichtstrahlen gang und gäbe sind. Es braucht manchmal nur ein paar zehntel Grad Änderung der Neigung der Glasscheibe und schon wäre der Spuk vorbei, könnte man das ganze Fenster doch nur ein wenig seitlich und/oder vertikal verkippen.

Geht doch

Das Schweizer Architekturunternehmen Herzog & de Meuron hat sich darüber Gedanken gemacht und eine geniale Lösung gefunden. Es hat für die Helvetia Versicherung in St. Gallen ein recht ungewöhnliches Haus gebaut, das den Betrachter von außen an eine Art Kaleidoskop erinnern mag. Die völlig unregelmäßig angeordneten Fensterflächen wirken auf den Betrachter, der bei diesem Gebäude verdutzt zwei Mal hinschaut, durchaus irritierend.

Der Sonnenschutz folgt den Scheiben

Da jedes einzelne der vielen Fenster innerhalb gewisser Grenzen seine ganz individuelle räumliche Stellung einnehmen kann, erscheinen die Behänge davor verspielt in unterschiedlichen Graunuancen. Dennoch ist die Durchsicht von innen nach außen als exzellent zu bewerten.

Die gesamte Fassade des ungewöhnlichen Gebäudekomplexes ist von geschosshohen Fensterflächen dominiert. Diese treten, jede unterschiedlich geneigt, auffällig plastisch aus der Fassadenebene heraus. Wenn die Scheiben bei hochgezogenem Sonnenschutz im Tageslicht glänzen, wirft jede für sich dem Betrachter ein anderes Spiegelbild der Umgebung entgegen. Eine zeigt den Himmel, die andere den Garten und wieder eine andere das vorbeifahrende Auto.

Ein wundersames Material

Die Markisenkassetten sind in diesem Fall völlig unauffällig in die unterschiedlich herausstehenden, rahmenartigen Fensterelemente integriert. Das besonders elegante und dennoch solide Sonnenschutzmaterial "Soltis Horizon 86 von Serge Ferrari" weist übrigens nur eine Stärke von 0,45 Millimeter auf.

Zur Herstellung des Materials kommt die sogenannte Précontraint-Technologie zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe von allen Seiten her vorgespannt. Die Folge davon sind eine gute mechanische Resistenz, hohe Dimensionsstabilität und eine erfreuliche Langlebigkeit. Damit wird auch die vorgegebene Reißfestigkeit von 230/160 daN nach DIN 53.363 erfüllt.

Die verwendeten Soltis Horizon 86 Markisen vermindern die Strahlungstransmission um circa 86 Prozent (EN 14501). Auch mit Blick auf den Brandschutz erfüllt das Material alle Vorgaben. In diesem Fall kam die Schweizer Norm VKF 5.2 /SN 198898 beziehungsweise die Euroclass Norm B-s2,d0 (EN 13501-1) zur Anwendung, weil es darum ging, dass bei Abbrand keine giftigen Gase entstehen. Darüber hinaus sorgt eine Automatik, deren Steuerung mit der Brandmeldeanlage verbunden ist, dafür, dass alle Markisen im Brandfall hochfahren. Alles in allem handelt es sich um ein schadstoffgeprüftes Material, das durch eine Greenguard Gold Zertifizierung ausgewiesen wird.
Die Herstellung und die Installation der Sonnenschutzanlagen erfolgten durch die Kästli & Co. AG, CH-Belp

Senkrechtmarkisen in St. Gallen

Bilder: Cédric Widmer, Lausanne / © Serge Ferrari, Köln

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